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Thema: Reading Challenge 2018 – Zeit zum Lesen! [Abgeschlossen]

Hybrid-Darstellung

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  1. #1

    Neil Gaiman - American Gods
    750 Seiten

    In American Gods arbeitet ein eindimensionaler und langweiliger Hauptcharakter mit nur minimal interessanteren alten Göttern (aus den bekannten Mythologien) zusammen, um diese zum Sieg im Kampf mit den neuen Göttern (Medien, Technik, Autos und wasauchimmer) zu führen. Das Pacing ist dabei unglaublich langsam und zwischendurch passiert auch einfach mal nichts bzw. nur wenig relevantes. Der Leser wird sich von Anfang an mit vielen Fragen konfrontiert sehen, die lange Zeit nicht oder nie beantwortet werden, da der Protagonist alles einfach so hinnimmt und keine Fragen stellt. Es gab keine "Holy Shit! Du bist fucking Anubis?!"-Momente und auch keine Dialoge, welche die verschiedenen Gottheiten in irgendeiner Form wirklich beleuchtet hätten. Dadurch wirkten alle Charaktere blass, besonders die Antagonisten waren langweilig. Das gesamte Worldbuilding ist da viel interessanter als das Buch an sich.

    Trotzdem hat es mir gefallen, eben weil das Buch so seine Momente hat und das Ende durchaus gelungen ist. Insgesamt bin ich aber schon enttäuscht, da man so viel aus der Prämisse hätte rausziehen können, aber stattdessen gibts nur abgespecktes Alice in Wonderland mit Göttern. Ich würde American Gods keinem wirklich empfehlen, da es einfach zu lang für seinen Inhalt ist und man mit seiner Zeit definitiv besseres anfangen kann.

    Damit bin ich jetzt bei [1500/3250] (+1020) Seiten.

    Next: The Time Machine und dann Gone Girl.

  2. #2
    Plebs.

    Wahrscheinlich würde dir die Serie deutlich besser gefallen. Die zieht viel Charakterisierung, die im Buch sehr subtil bzw. Interpretationssache ist, in den Vordergrund bzw. auf die Ebene des Schauspiels (vor allem für Shadow, Laura und die New Gods), gibt den Leuten an vielen Stellen mehr Fleisch und lässt auch eeetwas mehr passieren. Es bleibt aber ein Road Trip, bei dem es um das Setting und die Figuren geht. Auch wenn ich sehr gespannt bin, was sie noch so mit den News Gods anstellen.

    Für mich auf jeden Fall eins meiner Lieblingsbücher ever! Die Charaktere, das World Building, die Tiefe der Grundidee und in diesem Kontext auch einfach dieses Bild Amerikas haben mich völlig umgehauen. Wobei ich mich entsinnen kann, dass mich das Pacing beim ersten Lesen auch nicht sonderlich mitgerissen hat; da war ich aber auch 17 oder so und hatte eine entsprechende Aufmerksamkeitsspanne. ^^ Und ich hab fette Fantasy erwartet, was hier echt nicht die richtige Herangehensweise ist.

    Seit der Serie übrigens ein wunderbares Ding für den Englisch-Unterricht. Die ist nämlich noch mal amerikanischer und drückt voll den Finger rein.

    Zitat Zitat
    Der Leser wird sich von Anfang an mit vielen Fragen konfrontiert sehen, die lange Zeit nicht oder nie beantwortet werden, da der Protagonist alles einfach so hinnimmt und keine Fragen stellt. Es gab keine "Holy Shit! Du bist fucking Anubis?!"-Momente
    Genau das ist aber der KERN a) des Buchs und b) dieses Charakters! Er ist jemand, der so tief in seinem (Nicht-)Glauben verankert ist, dass er erst nicht akzeptieren will, was offensichtlich passiert, und selbst dann, als alles um ihn herum explodiert, noch nichts damit zu tun haben will oder es entgegen aller Vernunft als Normalität behandelt – und natürlich trotzdem mitmacht, weil sein (Nicht-)Glauben sehr tiefliegende Gründe hin, bis hinein in seinen Stammbaum. Er ist praktisch der perfekte Protagonist für dieses Buch, weil es seine gesamte Atmosphäre und Faszination aus dem Mittelweg zieht, dass alles offensichtlich durchdachte Erklärungen und Gründe hat, dass man diese als Leser aber abgesehen von den großen Konflikten nicht bekommt und sich so in einer fremden Welt wiederfindet, die man erkunden möchte – oder man "schwimmt" einfach in der Fremdartigkeit, aber das ist offenbar kein Reiz für dich. Weshalb es auch ein gutes Buch zum mehrmals lesen ist.
    Was übrigens ALLES das krasse Gegenteil von Alice ist, weshalb ich den Vergleich etwas abgefahren finde. xD
    Ich weiß bspw. noch sehr lebhaft, dass ich beim ersten Mal wirklich NULL Ahnung von Mythologie hatte und nicht mal Low Key gecheckt habe ... wo ich mir heute denke "WAS ZUR HÖLLE MANN?!" Ich bin also ähnlich ignorant wie Shadow durch dieses Buch gegangen, was anstrengend, aber hammer faszinierend war. Und seitdem wusste ich jedes Mal ein bisschen mehr (auch vom Lesen) und habe es einmal sogar mit "Wikipedia nebenbei" gelesen. Und ich weiß, dass ich nie das ganze Buch durchschauen werde, weil Gaiman bewusst Dinge eingebaut hat, die sich zumindest nach dem aktuellen Stand der Dinge nicht endgültig klären lassen. Es wird also immer ein Mysterium bleiben, und das gehört hier definitiv dazu.

  3. #3
    @La Cipolla: Die Sache ist aber, dass Shadow die Welt nicht erkundet und in allen Bezügen passiv und reaktiv bleibt. Ich hätte mir sehr gerne gewünscht, tiefer in das Konzept eintauchen zu können, aber da stand mir Shadow als Protagonist einfach im Weg. Das Setting und das Konzept fand ich wirklich großartig, aber ich denke, dass Neil Gaiman das insgesamt nicht gut ausgenutzt hat. Für mich hat er einfach so viel offen und unbeleuchtet gelassen, dass ich nicht mehr von Subtilität sprechen kann, sondern von persönlichem Mangel als Autor. Nächstes Jahr werde ich mal The Ocean at the End of the Lane lesen und wenn mich da die Charaktere nicht packen, werd ich seine Bücher wohl für mich abschreiben.

    Geändert von Byder (10.06.2018 um 00:45 Uhr)

  4. #4
    Sind zwei seeeehr unterschiedliche Bücher. Er wechselt seine Herangehensweise aber sowieso sehr krass von Buch zu Buch – definitiv kein Typ, der einen "typischen Stil" wie ein paar andere Autoren hat.

    Shadow soll die Welt nicht erkunden, DU sollst sie erkunden. Wenn er die ganze (Denk-/Recherche-/Aufmerksamkeits-)Arbeit für dich erledigen würde, wäre das ein komplett anderes Buch, und imho ein weniger faszinierenderes. Das sind ja nicht Bernd und Uschi, sondern Götter, um die es da geht. Ich will diese Welt nicht komplett verstehen, und definitiv nicht nach einer eindeutigen Erklärung oder so.

    Zitat Zitat
    Das Setting und das Konzept fand ich wirklich großartig, aber ich denke, dass Neil Gaiman das insgesamt nicht gut ausgenutzt hat. Für mich hat er einfach so viel offen und unbeleuchtet gelassen, dass ich nicht mehr von Subtilität sprechen kann, sondern von persönlichem Mangel als Autor.
    Das ist eine unpassende Einschätzung, da es zu 100% genau so gedacht war. Du musst es natürlich nicht mögen, aber wenn ein Autor genau das umsetzt, was er tun wollte, ist es kein persönlicher Mangel im Sinne einer Unfähigkeit – Es sei denn, du willst ihn wirklich als Person kritisieren, aber ich denke nicht, dass das die Idee war.
    Edit: Okay, man könnte auch eine bewusste Entscheidung als solche kritisieren, aber das ist mutig, nicht zuletzt, weil man dafür erstmal das Ziel des Autors als solches akzeptieren muss. (Also bspw.: Eine unverständliche Welt erschaffen.) Und sich einig/selbstsicher sein muss, was das Ziel war.

  5. #5
    Wenn das Buch so ist, wie er es sich vorgestellt hat, dann verstehe ich ihn und das Buch nicht. Aus meiner Perspektive hätte er sich dann nämlich bewusst für Methoden entschieden, die das Buch unspektakulärer und lebloser gestalten.

  6. #6
    Zitat Zitat
    Die Sache ist aber, dass Shadow die Welt nicht erkundet und in allen Bezügen passiv und reaktiv bleibt.
    Erinnert mich irgendwie an meine Meinung zu Sternwanderer...

  7. #7
    Zitat Zitat von Byder Beitrag anzeigen
    Wenn das Buch so ist, wie er es sich vorgestellt hat, dann verstehe ich ihn und das Buch nicht. Aus meiner Perspektive hätte er sich dann nämlich bewusst für Methoden entschieden, die das Buch unspektakulärer und lebloser gestalten.
    Jo, für mich hat es eben genau die beschriebene Wirkung gehabt, sollte also rein subjektiv sein.

    Der Sternenwanderer ist noch mal ein komplett anderer Fall, weil es praktisch ein Märchen ist und den ganzen fragwürdigen Ballast mitbringt, der mit dem Genre einhergeht. Das hat mir als Film besser gefallen, weil der deutlicher in Richtung Hollywood-Fantasy geht.

  8. #8
    Ich habe nun den zweiten Band von Majo no Takkyuubin 魔女の宅急便 (Kikis kleiner Lieferservice, 390 Seiten) durchgelesen und somit mein zweites Buch für die Challenge erledigt (2/5).

    Meine im letzten Beitrag geschilderten Eindrücke treffen noch immer so zu, allerdings muss ich noch etwas hinzufügen. Es gibt in dem Buch auch ein paar Kapitel, die etwas melancholischer sind, aber die Traurigkeit eher hintergründig und wird nie in den Fokus gerückt. In einem Kapitel bekommt Kiki von einem alten Mann, der im Krankenhaus liegt und der nicht mehr laufen kann, den Auftrag, mit seinem Gehstock spazierenzugehen, und zwar die Route, die er früher selbst jeden Tag gegangen ist. Dabei soll sie die Dinge um sich beobachten, mit den Menschen sprechen, gerne mal vom Weg abweichen und schließlich den Gehstock an seinen angestammten Platz in seinem Haus zurückbringen. Als Leser ahnt man schon direkt, dass der alte Mann weiß, dass sein Tod kurz bevorsteht, obwohl er sich selbst davon nichts anmerken lassen will. Am Ende des Kapitels wird nur gesagt, dass er nicht mehr in dem Krankenhaus liegt.

    In einem anderen Kapitel erzählt eine alte Frau Kiki die Geschichte von zwei Schwestern, die sich über einen roten Schuh zerstritten haben, der ins Wasser gefallen ist. Sie bittet Kiki, der Schwester, der der Schuh gehörte, einen neuen zu bringen, den sie zufällig im Schaufenster entdeckt hat. Doch der Straßenname, den ihr die alte Frau nennt, scheint nicht zu existieren. Als Kiki bei den Leuten nachfragt, erfährt sie irgendwann, dass vor sehr langer Zeit mal eine Straße mit diesem Namen existiert hat. Kiki findet das Haus, in dem das Mädchen leben soll, schließlich doch, doch dort wohnt kein Mädchen, sondern eine alte Frau, die aber denselben Namen wie das Mädchen hat. Erst dann bemerkt Kiki, dass die (erste) alte Frau nicht die Geschichte von zwei Mädchen erzählt hat, sondern von sich selbst und ihrer Schwester. Eine Nichtigkeit hat quasi dafür gesorgt, dass sie sich jahrzehntelang gemieden haben. Als Kiki den Schuh überbringt, finden die beiden aber endlich wieder zueinander. (Das wird aber erst in einem späteren Kapitel nebenbei angedeutet.)

    Auf jeden Fall ist das ein tolles Kinderbuch, sehr schön geschrieben und voller zauberhafter Einfälle. Hätte vermutlich auch gut für den deutschen Markt funktioniert, denn kulturell fühlt sich das Buch nicht besonders exotisch an – erinnert im Grunde genommen sehr an westliche Kinderliteratur. Schade, dass es nie übersetzt wurde.

    Geändert von Narcissu (19.10.2018 um 17:58 Uhr)

  9. #9
    Ich hab die Eröffnung des Threads nicht mitbekommen, aber zu Motivationszwecken würde ich gerne zur Halbzeit noch einsteigen.
    Mein Ziel sind 3 Bücher in 6 Monaten bis zum Ende des Jahres:

    1. Larry Niven und Jerry Pournelle: Der Splitter im Auge Gottes
    2. Dan Simmons: Hyperion
    3. Dan Simmons: Der Sturz von Hyperion

    Letzteres habe ich zwar als Sammelband, aber als Klotz von 1400 Seiten zählt ich das mal als 2 Bücher. ^^

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